Eine ehemalige Schülerin schildert im folgenden Beitrag ihren Kampf mit schulischen Aufsätzen und Interpretationen.
Interpretation war früher für mich ein richtiges Horrorwort, bei dem etliche Ekelgefühle und Gänsehaut hoch kamen. Ja, ich habe mich damit und auch im Allgemeinen mit Schreiberei von Aufsätzen sehr schwer getan. Vor allem kam ich überhaupt nicht mit Gliederung und der üblichen Aufsatzstruktur klar. Mit einem Worte wusste ich nicht so genau, wie ich Einleitung, Hauptsatz und Schluss in meinem Aufsatz umsetzen sollte. Die Lehrer verlangten, dass man den eigenen geschriebenen Aufsatz auf diese Art und Weise strukturiert. Natürlich zeigten sie uns viele Beispiele im Unterricht, wie so eine Aufsatzstruktur richtig aussehen sollte. Doch die jeweiligen Beispiele schienen mir ziemlich perfekt und hochgehoben zu sein. Ich, noch eine kleine, nichtige Schülerin konnte mir kaum vorstellen, wie ich solch eine professionelle Einleitung oder einen gelungenen Schlusssatz formulieren sollte.
Beim Verfassen von Schulaufsätzen habe ich mich deshalb sehr gebunden und eingeengt gefühlt. Ständig wurde ich von manischen Gedanken geplagt und verfolgt, ob ich denn eine richtige Einleitung geschrieben habe, die auch schön klingt. Außerdem war es sehr mühsam für mich immer wieder neue Überleitungssätze im Hauptteil sowie Schluss auszudenken. Außer den Überleitungssätzen waren auch die Konjunktionen ein großes Problem. Schließlich mussten die Verbindungswörter auch verschieden sein, damit der Aufsatz nicht monoton erschien. All diese Faktoren erschwerten das Schreiben und lösten bei mir eine Allergie gegen Aufsätze aus. Ich träumte davon ohne diese lästigen Schranken zu schreiben, frei zu schreiben. Aufsätze und Interpretationen nach meinem Belieben, nach meinem Gefühl, Lust und Laune auszudenken! Doch in der Schule war es unmöglich. Schade eigentlich, denn das war ja der richtige Lösungsweg.
Was die Interpretationen betraf, so war dies das Schlimmste aller Aufsatzformen, was mir im Schulunterricht und während der Klassenarbeit passieren konnte. Denn ich wusste wirklich nicht, wie ich die ganzen Sachverhalte erläutern sollte. Das Interpretationsschema hat die Lage nur noch verschlimmert, da ich noch zusätzlich mir den Kopf darüber zerbrochen habe, ob ich dieses Schema denn richtig angewandt habe. Mein Fehler bestand darin, dass ich immer versucht habe zu erraten, was meine Lehrerin von mir hören will. Also wie sie dies oder Jenes in der gegebenen Geschichte interpretieren würde. Fehlgriff! Man muss selbst denken, egal ob es richtig oder falsch ist. Man sollte versuchen seine Sichtweise auf die Dinge zu formulieren. Interpretation ist ja meistens eine subjektive Sache, deswegen sollten eigene Gedanken und Analysen einen Interpretationsaufsatz stützen.
Nun was half mir das Schreiben, die Aufsätze, die Interpretation zu lieben lernen? Sehr viel Fleiß, Übung und sehr ausführliche Analysen. Entscheidend war, dass ich versucht habe zunächst ohne irgendwelche Schemas und Gliederungen zu schreiben. Einfach meine Gedanken und Interpretationen ohne irgendwelche Einschränkungen habe ich zu Papier gebracht und habe mich danach freier und besser gefühlt. Nun achtete ich auf die Aufsatzstruktur, Einleitung, Hauptsatz, Schluss und Überleitungssätze etc. und passte meinen Aufsatz dementsprechend an.
Außerdem übte ich sehr fleißig, wie verrückt. Ich konnte etwa 5 Stunden am Stück an einem einzigen Aufsatz sitzen, bis ich ihn perfekt konnte. Wenn ich besondere Probleme mit einer Aufsatzform hatte, dann trainierte ich diese. Z.B. ich versuchte jeden Tag eine Interpretation neben meinen Hausaufgaben zu schreiben. Darüber hinaus halfen mir kleine Schreibjobs und Aufträge auf das Aufsatzpodium. Ich schrieb diverse Texte zu verschiedenen Themen auf solche Webseiten wie fahrschulbogen.org, die mal spezifisch mal allgemein waren.
Am Ende hat sich die ganze Arbeit doch gelohnt. Mit einer 15 in Goethes Faust als eine Ausländerin und nicht Deutsch Muttersprachlerin habe ich mich letztendlich bestätigt.
